(Freie Übersetzung von Khutbah Idul Fitri 1446 H)
Alhamdulillahi Rabbil ‘Alamin,
Alles Lob gebührt Allah für Seine unzähligen Gaben, die Er uns aus Seiner unendlichen
Barmherzigkeit und aus Seiner Gnade gewährt hat. Eine dieser Gaben ist, das wir Ihn anbeten und Ihm näherkommen können. Mit dem Ruf des Takbir feiern wir nun Eid ul-Fitr in großer Dankbarkeit und Freude. Im Monat Ramadan lernen wir nicht nur wie man Hunger und Durst erträgt, sondern wir trainieren auch Geduld und Selbstbeherrschung. Der Ramadan fördert darüber hinaus das Gefühl der Solidarität und des Mitgefühls gegenüber anderen. Wir bitten Allah (gepriesen sei Er und hoch erhaben ist Er) unsere Ibadah anzunehmen und unsere Sünden zu vergeben.
Eid al-Fitr bedeutet “das Fest des Fastenbrechens”: Das Wort “Eid” kommt von der Wurzel “أعاد ” was “zurückkehren” oder “wiederkehren” bedeutet. Es ist also auch ein “Fest der Rückkehr”, eine Rückkehr zu Reinheit und
Erneuerung durch die Nähe zu Allah. “Al-Fitr” hat zwei Bedeutungen: Erstens, das “Fastenbrechen” (Iftar), und zweitens, die “Fitrah”, unsere angeborene, natürliche Veranlagung, Allah zu erkennen und rein zu sein – wie ein neugeborenes Baby. Durch den Ramadan, das Fasten und andere Gottesdienste vergibt uns Allah unsere Sünden.
Meine lieben Geschwister, liebe Gemeinde, möge Allah euch segnen.
Wie wir wissen, ist das Fasten im Ramadan eine individuelle Pflicht (Fardu ‘Ain), um unseren Glauben zu vervollkommnen. Jeder Muslim ist für sein Fasten allein vor Allah verantwortlich. Niemand außer uns selbst und Allah weiß, ob wir aufgrund unseres Glaubens fasten, im Streben nach Seiner Zufriedenheit oder nur um Hunger und Durst zu ertragen. In Seiner großen Barmherzigkeit verspricht Allah unermessliche Belohnungen und die Begegnung mit Ihm im Jenseits. In Sura 2, Al-Baqarah Vers 185 sagt Allah (Subhanallahu wa ta’ala) „– damit ihr die Anzahl (der Fastentage) vollendet und Allah als den Größten preist, dafür, daß Er euch rechtgeleitet hat, auf dass ihr dankbar sein möget.“ Dieser Vers lädt uns ein, dankbar zu sein für Allahs Rechtleitung. Wie Scheich Ibn Ata’i Llah Al- Iskandari in seinem Werk “Al-Hikam – (“Worte der Weisheit”) sagte, ist eine der größten Segnungen, die Seine Geschöpfe erlangen können, der Segen, von Allah rechtgeleitet zu werden. Aufgrund dieser Rechtleitung wird der Mensch vor allem bewahrt, was ihn die Kontrolle verlieren lässt und in der Welt in die Irre führen lässt.
Der Islam lehrt jedoch nicht nur individuelle Frömmigkeit wie Gebet und Fasten, sondern auch soziale Rechtschaffenheit. Dies wird durch die Zakat, die vierte Säule des Islams, deutlich. Das Wort “Zakat” bedeutet auch “Reinigung” und “Läuterung”. Es ist die Reinigung des Vermögens eines Muslims von den “Unreinheiten” der Sünden, indem man einen Teil davon abgibt. Es erinnert uns daran, dass wir nicht wissen können, ob unser Vermögen nicht von einer kleinen Unrechtmäßigkeit betroffen ist.
Zur Zakat gehören die Zakat ul-Fitr , die vor dem Eid-Gebet gegeben werden muss, und die Zakatul-Mal, die auf unser Vermögen fällig wird, wenn es den Mindestwert (Nisab) erreicht hat. Denn in dem Vermögen, das ein Muslim besitzt, liegen mindestens 2,5 % bis 10 % der Rechte anderer, bedürftiger Muslime. Das bedeutet das wenn eine Frist von einem Mondjahr (al-Haul) verstrichen ist, während der Mindestwert des Vermögens (Nisab) die ganze Zeit vorhanden ist, so wird die Zahlung von Zakat al-Mal für einen Muslim. verpflichtend. Und wer dieser Verpflichtung nachkommt, gilt als ein erfolgreicher, glücklicher Muslim. In der Sure 87 (Al-A’la), Vers 14 – 15, sagt Allah: (“Qad aflaha man tazakka wa dhakar asma rabbihi fasollaa”) „Wohl ergeht es jedoch dem, der sich läutert (oder der sich reinigt) und des Namens seines Herrn gedenkt und dann betet.” Das Wort „Aflaha“ bedeutet, dass diese Person sowohl Gutes empfängt als Schlechteres vermeidet. Wer Zakat gibt, schützt seinen Reichtum, erhält die Vergebung seiner Sünden und wird vor den negativen Folgen des Geizes bewahrt.
Meine lieben Geschwister, liebe Eid al-Fitr-Gebetsgemeinde, möge Allah euch segnen.
Lasst und nun von einem großartigen Beispiel für Großzügigkeit und soziale Frömmigkeit lernen, das uns Sayyidina ‘Uthman bin ‘Affan, der dritte rechtgeleitete Kalif, gegeben hat. Er war bekannt für seine außergewöhnliche Großzügigkeit und seine Unterstützung der Bedürftigen.
Im Tafsir Al-Qurtubi von Imam Abu ‘Abdullah Muhammad bin Ahmad Al-Andalusi Al-Qurtubi heißt es, dass der Anlass der Offenbarung des 14. Verses der Sure 87 (Al-A’la) ein Lob von Allah für das hohe Maß an sozialem Engagement von ‘Uthman bin ‘Affan war, nachdem er damals einem der Ansar (ein Muslim aus Medina-stammend) geholfen hatte.
Es heißt, dass es in Medina einen Heuchler gab, der neben dem Haus eines der Prophetengefährten von den Ansar Dattelpalmen anpflanzte. Als einmal der Wind wehte, fielen Datteln vom einem der Bäume in das Haus dieses Prophetengefährten, so dass er und seine Familie davon essen konnten. Der Besitzer des Gartens, ein Heuchler, beschwerte sich jedoch bei dem Gesandten Allahs (möge Allah ihn segnen und ihm Heil gewähren). Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn segnen) bot dem Gartenbesitzer einen Tausch an: „Bist du bereit, deine Datteln gegen eine Dattelpalme im Paradies zu tauschen?“ Doch der Heuchler weigerte sich, da er sich nicht auf die Belohnung im Jenseits einlassen wollte.
Als ‘Uthman bin ‘Affan von dieser Situation hörte, kaufte er die Dattelpalmen-Plantage dieses Heuchlers für einen hohen Preis und übergab sie dann dem Gesandten Allahs (Allah segne ihn und schenke ihm Heil), damit die Bäume Eigentum der Prophetengefährten von den Ansar wurden. Dies ist ein großartiges Beispiel für ‘Uthmans Großzügigkeit und seine Priorisierung des Jenseits über die weltlichen Genüsse.
Meine liebe Geschwister, liebe Eid al-Fitr-Gebetsgemeinde, möge Allah euch segnen.
Lasst uns nicht schlechten Vorbildern folgen, die das Gegenteil des Prophetengefährten ‘Uthman bin ‘Affan Verhalten vorgelebt haben. Der Geizige ist jemand, der seine Verpflichtungen gegenüber anderen nicht erfüllt und nicht erkennt, dass auch er von Allah Segnungen erhalten hat. Diese Menschen vergessen, dass alle Gaben von Allah stammen.
Im Sura 68 (Al-Qalam) Verse 17–33, erzählt Allah SWT von den “Besitzern des Gartens” – “Ashabul Jannah”. Diese Geschichte lehrt uns die Gefahren des Geizes. Sie beginnt mit einem wohlhabenden, gütigen Mann, der einen Garten hatte. Er war rechtschaffen und vergaß nie den Armen mitzuteilen, wenn die Ernte bevorstand. Sie kamen dann zum Garten und er gab ihm reichlich von seiner Ernte ab. Er erkannte, dass auch andere Menschen an seinem Eigentum Rechte haben, die erfüllt werden müssen. Nach dem Tod des Mannes erbten seine Kinder den Garten. Als es Zeit für die Ernte war, überlegten sie, ob sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten oder neue Regeln erlassen sollten. Einer von ihnen schlug vor, weiterhin einen Anteil der Ernte den Armen zu überlassen, wie es ihr Vater immer getan hatte. Dieser Vorschlag wurde jedoch von seinen Brüdern abgelehnt. Sie waren der Meinung, dass sie alles für sich behalten sollten, ohne es mit anderen Menschen zu teilen. Sie hielten Ihren Vater für einen törichten Menschen, der so viel von der Ernte weggab ohne etwas dafür zu bekommen. Gier begann, von Ihren Herzen Besitz zu ergreifen. Sie gelobten sogar, die Früchte des Gartens heimlich, früh am Morgen zu pflücken, damit niemand es merkte, auch nicht die armen Leute, die normalerweise dorthin kamen. Auf diese Weise wollten Sie sicherstellen, dass kein Teil der Ernte in die Hände anderer Menschen fiel.
Allerdings, liebe Geschwister, liebe ‘Idul-Fitri Gemeinde,
wie heißt es doch so schön: “Der Mensch denkt – Gott lenkt.” Das heißt der Mensch kann planen, aber das letzte Wort hat immer Allah und was Er bestimmt, wird geschehen. In der Nacht, während die Brüder tief und fest schliefen, schlug durch den Willen Allahs ein Blitz in den Garten ein brannte ihn vollständig nieder. Am nächsten Tag in aller Frühe eilten sie voller Vorfreude in den Garten, um die Früchte zu ernten. Unterwegs erinnerten sie sich gegenseitig daran, die Armen an diesem Tag nicht in die Nähe ihres Gartens zu lassen. Als sie jedoch dort ankamen, waren sie schockiert und konnten nicht glauben, was sie sahen. Das Stück Land was vorher fruchtbar und voller Früchte war, hatte sich in eine F äche verbrannter Erde verwandelt. Einer vonihnen, der sie zuvor gewarnt hatte, weiterhin wie ihr Vater zu teilen, sagte: „Habe ich Euch nicht daran erinnert? Habe ich Euch nicht geraten, Allah SWT dankbar sein und mit den Armen zu teilen? Ihr aber habt meine Warnung ignoriert.“ Erst dann erkannten sie ihren Fehler. Sie begannen, sich gegenseitig zu beschuldigen und bereuten die Entscheidung, die sie getroffen hatten. Sie erkannten, dass der Garten nicht einfach so zerstört wurde, sondern als Folge ihrer eigenen Arroganz und Gier. Voller Bedauern sagten sie: „Wahrlich, wir sind die Übeltäter. Wir haben Allahs Gebote missachtet und die Rechte der Armen nicht erfüllt. Wir bereuen aufrichtig und versprechen, von nun an, Seine Gebote und Verbote einzuhalten.”
Meine lieben Geschwister, liebe ‘Eid al-Fitr-Gebetsgemeinde, möge Allah euch segnen.
Diese beiden Geschichten lehren uns eine wertvolle Lektion: Die glücklichsten Menschen sind diejenigen , die sich durch gute Taten reinigen und anderen durch Großzügigkeit und Verantwortung gegenüber ihren Rechten Nutzen bringen. Dies steht im Einklang mit den Worten Allahs im Koran: “Qad Aflaha man tazakka” – “Wer sich reinigt, der wird glücklich sein oder erfolgreich sein.“ Möge Allah uns helfen dieser Botschaft zu folgen und unsere Zakat zu geben, als Ausdruck unserer Dankbarkeit und Verantwortung gegenüber ihm, wie in der beispielhaften Geschichte von ‘Uthman bin ‘Affan.
Möge Allah uns immer daran erinnern, wie wichtig das Geben der Zakat und die Verantwortung gegenüber anderen sind, als eine Form des Gehorsams gegenüber Allah.
Möge Allah uns helfen, immer großzügig zu sein, sowohl mit persönlichem Einsatz und auch mit unserem Vermögen und uns vor der Arroganz des Geizes bewahren.
Ameen.
0 Kommentare